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Dieselbe Trophäe in zwei verschiedenen Leben berühren: Weltmeister als Spieler und Trainer

Nur drei Männer haben in der Geschichte des Fußballs die FIFA-Weltmeisterschaft sowohl als Spieler als auch als Cheftrainer gewonnen: Mário Zagallo, Franz Beckenbauer und Didier Deschamps. Dies ist die Geschichte dreier Fußballpersönlichkeiten, die dieselbe Trophäe in zwei völlig unterschiedlichen Leben erreichten.

Kickwise Admin
Veröffentlicht 10. Jun 2026
Dieselbe Trophäe in zwei verschiedenen Leben berühren: Weltmeister als Spieler und Trainer

Die Weltmeisterschaft zu gewinnen, ist der höchste Gipfel des Fußballs.

Sie als Spieler zu erreichen, genügt bereits, um eine Karriere unsterblich zu machen. Jahre später zurückzukehren und dieselbe Trophäe von der Seitenlinie aus erneut zu gewinnen – im Anzug, zwischen Auswechseltafeln, taktischen Notizen und dem Gewicht der Erwartungen eines ganzen Landes – gehört jedoch zu einer völlig anderen Art von Geschichte.

Denn eine Weltmeisterschaft als Spieler zu gewinnen, ist eine körperliche Erfahrung. Man läuft, geht in Zweikämpfe, improvisiert und trifft innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen.

Sie als Trainer zu gewinnen, erfordert eine andere Form der Ausdauer: auswählen, überzeugen, erklären, Enttäuschungen auffangen, Erwartungen tragen und die Träume eines ganzen Landes in die empfindliche Atmosphäre einer Kabine einfügen.

In der Geschichte des Männerfußballs haben nur sehr wenige beide Wege auf der höchsten Stufe vollendet.

Nur drei Männer gewannen die FIFA-Weltmeisterschaft sowohl als Spieler als auch als Cheftrainer:

Mário Zagallo, Franz Beckenbauer und Didier Deschamps.

Alle drei begegneten der Trophäe zunächst auf dem Spielfeld.

Jahre später kehrten sie von der Seitenlinie zu ihr zurück.

Mário Zagallo: Die stille Intelligenz hinter Brasilien

Die Geschichte Mário Zagallos ist nicht einfach die Geschichte eines Spielers, der Trainer wurde.

Sie ist die Geschichte davon, wie der brasilianische Fußball ein Gleichgewicht zwischen Romantik und Struktur fand.

Zagallo gewann die Weltmeisterschaft 1958 und 1962 als Spieler Brasiliens. Wenn an diese Epoche erinnert wird, fallen gewöhnlich zuerst die Namen Pelé, Garrincha, Vavá und Didi.

Zagallos Name wird neben ihnen häufig etwas leiser ausgesprochen. Seine Rolle innerhalb der Mannschaft war jedoch von großer Bedeutung.

Er spielte auf der linken Seite, war aber nie nur ein klassischer Flügelspieler. Er arbeitete nach hinten, deckte Räume ab und half dabei, die Ordnung der Mannschaft zu schützen.

Im modernen Fußball mögen solche Aufgaben selbstverständlich erscheinen. Im brasilianischen Fußball jener Zeit waren sie jedoch ausgesprochen bedeutsam.

Brasilien besiegte Schweden im WM-Finale 1958 mit 5:2, wobei auch Zagallo ein Tor erzielte. Seinen Wert ausschließlich an der Torschützenliste zu messen, würde den entscheidenden Punkt jedoch verfehlen.

Seine eigentliche Bedeutung lag in dem, was er verkörperte: die kollektive Intelligenz, durch die Brasiliens große Talente gemeinsam funktionieren konnten.

Diese Intelligenz erreichte 1970 ihren Höhepunkt.

Brasilien reiste nicht nur mit außergewöhnlichen Spielern nach Mexiko. Die Mannschaft brachte auch eine große Frage mit:

Wie konnten so viele kreative Fußballer gleichzeitig in derselben Mannschaft spielen?

Pelé, Jairzinho, Rivelino, Tostão und Gérson mussten innerhalb einer gemeinsamen Struktur existieren. Viele der talentiertesten Mannschaften der Fußballgeschichte scheiterten nicht an mangelnder Qualität, sondern daran, dass ihnen das Gleichgewicht fehlte.

Genau an diesem Punkt wurde Zagallos Arbeit entscheidend.

Er gab Brasilien nicht einfach nur Freiheit. Er errichtete die Struktur, in der diese Freiheit überleben konnte.

Brasilien gewann bei der Weltmeisterschaft 1970 alle sechs Spiele und holte den Titel zum dritten Mal. Zagallo wurde damit zum ersten Menschen der Geschichte, der die Weltmeisterschaft als Spieler und als Trainer gewann.

Seine Geschichte erinnert uns an eine einfache, aber grundlegende Wahrheit:

Große Mannschaften entstehen nicht nur durch große Fußballer.

Sie entstehen durch große Harmonie.

Franz Beckenbauer: Autorität, die aus dem Spiel selbst entstand

Franz Beckenbauers WM-Geschichte gehört zu jenen seltenen Fällen, in denen der Fußball Eleganz und Autorität in derselben Person vereinte.

1974 war er Kapitän der westdeutschen Nationalmannschaft. Das Turnier fand im eigenen Land statt, die Erwartungen waren gewaltig und im Finale warteten Johan Cruyff und die Niederlande.

Die Niederländer veränderten den Fußball mit ihrer Idee des „Totalen Fußballs“. Westdeutschland wirkte dagegen kontrollierter, geduldiger und unerbittlicher.

Beckenbauer stand im Zentrum dieser Mannschaft.

Er half dabei, die Rolle des Liberos neu zu definieren. Aus einer hauptsächlich defensiven Position machte er einen der Ausgangspunkte des eigenen Spiels.

Er trug den Ball aus der Abwehr, erkannte Situationen früher als andere und bestimmte den Rhythmus um sich herum.

Seine Führungsstärke zeigte sich nicht nur in der Kapitänsbinde. Sie war auch daran zu erkennen, wie er das Tempo eines Spiels kontrollierte.

Westdeutschland besiegte die Niederlande im Finale 1974 mit 2:1. Beckenbauer hob die Weltmeisterschaft als Spieler und Kapitän in die Höhe.

Sein zweiter WM-Triumph kam in einer völlig anderen Rolle.

1990 war er Teamchef Westdeutschlands. Beim Turnier in Italien führte er seine Mannschaft ins Finale, wo eine weitere große Geschichte der Weltmeisterschaft wartete: Diego Maradonas Argentinien.

Vier Jahre zuvor hatte Argentinien Westdeutschland im WM-Finale 1986 besiegt.

Das Finale von 1990 war deshalb nicht einfach nur ein weiteres Endspiel. Es war ein ungelöstes Kapitel, das auf dieselbe Bühne zurückkehrte.

Westdeutschland gewann in Rom mit 1:0. Beckenbauer wurde nach Zagallo zum zweiten Mann, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde.

Was seine Geschichte so bemerkenswert macht, ist die natürliche Verbindung zwischen seiner Intelligenz als Spieler und seiner Autorität als Trainer.

Schon auf dem Spielfeld wirkte er häufig wie mehr als nur ein Fußballer.

Fast wie ein zukünftiger Trainer, der das Spiel bereits von innen heraus leitete.

Didier Deschamps: Die kühle Sprache des Gewinnens

Didier Deschamps ist das moderne Gesicht dieses exklusiven Kreises.

1998 war er Kapitän Frankreichs. Als die französische Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft im eigenen Land gewann, war Deschamps nicht der spektakulärste Spieler des Teams.

Zinédine Zidane wurde zur entscheidenden Figur des Finales. Thierry Henry repräsentierte die neue Generation. Lilian Thuram hatte bereits eine der großen Defensivgeschichten des Turniers geschrieben.

Deschamps verkörperte etwas anderes:

Er war das Gleichgewicht der Mannschaft.

Seine Spielerkarriere wurde häufig als „unspektakulär“ bezeichnet. Dieses Wort kann jedoch irreführend sein.

Bei großen Turnieren bilden gerade die weniger auffälligen Spieler oft das unsichtbare Gerüst einer erfolgreichen Mannschaft.

Deschamps spielte den Ball einfach weiter, schützte die Räume, kontrollierte den Rhythmus und verhinderte, dass sein Team das emotionale Gleichgewicht verlor.

Frankreich besiegte Brasilien im Finale 1998 mit 3:0 und wurde zum ersten Mal Weltmeister. Deschamps hob die Trophäe als Kapitän in die Höhe.

Zwanzig Jahre später kehrte er bei der Weltmeisterschaft 2018 als französischer Nationaltrainer zurück.

Diesmal stand ihm eine außergewöhnlich starke Generation zur Verfügung: Kylian Mbappé, Antoine Griezmann, Paul Pogba, N’Golo Kanté, Raphaël Varane und viele weitere.

Große Kader gewinnen bedeutende Turniere jedoch nicht automatisch. Manchmal werden zu viele Möglichkeiten eher zu einer Prüfung als zu einem Vorteil.

Deschamps’ Frankreich von 2018 war keine Mannschaft, die jede romantische Vorstellung von Fußball erfüllen sollte.

Doch sie war klar, diszipliniert und gnadenlos effektiv.

Frankreich wusste genau, welche Mannschaft es sein wollte. Das Team konnte dem Gegner den Ball überlassen, schnell umschalten, seine körperliche Stärke einsetzen und in den entscheidenden Augenblicken auf individuelle Qualität vertrauen.

Frankreich besiegte Kroatien im Finale mit 4:2 und gewann seine zweite Weltmeisterschaft.

Deschamps wurde nach Zagallo und Beckenbauer zum dritten Mann, der das Turnier sowohl als Spieler als auch als Trainer gewann.

Seine Geschichte zeigt, dass es im modernen Fußball für einen Trainer nicht immer darum geht, die brillanteste Idee zu finden.

Manchmal geht es darum, das richtige Gleichgewicht zu finden.

Als Spieler und als Trainer verkörperte Deschamps dasselbe Prinzip:

Die Stars glänzen zu lassen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Mannschaft größer bleibt als jeder Einzelne.

Drei verschiedene Wege, eine gemeinsame Wahrheit

Zagallo, Beckenbauer und Deschamps erreichten dasselbe Ziel, aber nicht auf demselben Weg.

Zagallo gab Brasiliens offensiver Fülle eine Struktur.

Beckenbauer trug seine Führungsstärke vom Spielfeld an die Seitenlinie.

Deschamps brachte Gleichgewicht und Disziplin in das Chaos moderner Starpower.

Ihre gemeinsame Leistung besteht nicht nur darin, dass sie die Weltmeisterschaft in zwei verschiedenen Rollen gewannen.

Die tiefere Verbindung liegt an einem anderen Ort:

Sie spielten den Fußball nicht nur.

Sie verstanden ihn.

Eine solche Leistung lässt sich nicht mit Zufall erklären.

Die Weltmeisterschaft findet nur alle vier Jahre statt und bietet selbst vielen großen Karrieren nur eine einzige wirkliche Chance. Diese als Spieler zu nutzen, ist bereits schwierig genug.

Jahre später zurückzukehren und denselben Gipfel als Trainer zu erreichen, verlangt einen anderen Beruf, eine andere Psychologie und ein völlig anderes Verständnis von Zeit.

Deshalb ist die Liste bis heute so kurz.

Viele große Spieler wurden Trainer. Viele große Trainer waren früher gute Fußballer.

Doch nur sehr wenige standen an der Spitze beider Welten.

Der Fußball bewahrt seine Erinnerung manchmal durch Tore.

Manchmal durch das Bild eines Kapitäns, der die Trophäe in die Höhe hebt.

Und manchmal durch einen Trainer, der nach dem Schlusspfiff still an der Seitenlinie steht.

Zagallo, Beckenbauer und Deschamps sind drei unterschiedliche Gesichter dieser Erinnerung.

Der eine gab Brasiliens kreativem Chaos Intelligenz.

Der andere verwandelte deutsche Führungsstärke in eine beinahe imperiale Form von Autorität.

Der dritte lehrte Frankreich die kühle, moderne Sprache des Gewinnens.

Sie berührten dieselbe Trophäe in zwei verschiedenen Leben.

Vielleicht hat deshalb einer der exklusivsten Kreise der WM-Geschichte bis heute nur drei Mitglieder.